Auch wenn ich nicht glaube, dass einer der Datenschutzbeauftragten dieses Landes meinen Blog liest, verfasse ich dennoch dieses Posting. Gestern strahlte „Das Erste“ gegen 7:49 einen Bericht über Google Indoors aus. Dies sei eine Erweiterung von Google Street View und wurde in Hamburg entwickelt. Soweit so gut.

Bereits 3 Minuten später kam die erste Mail über das Kontaktformular vom GWB. Zuerst dachte ich, da will nur jemand gegen Street View widersprechen, aber es kamen weitere. Da gestern bekanntlich der erste April war, dachte ich dann schließlich an einen Aprilscherz, konnte aber kein Posting dazu über Google finden. Google ist seit Caffeine wirklich deutlich schneller geworden. Auch die Umstellung auf Realtime brachte nichts.

Die Anpassung des Textes über dem Kontaktformular zeigte keine Wirkung. Es wurden weiterhin „Widersprüche“ eingereicht. Als der Hinweis in rot und fett angezeigt wurde sowie mit einem Link zum Video der ARD, dachte ich, jetzt herrscht endlich Ruhe. Leider nicht.

Der Aprilscherz war recht gut gemacht, aber er ging über sein Ziel hinaus. Es war für die Zielgruppe der ARD wohl nicht zu durchschauen und der Zuschauer konnte nicht erkennen, dass es ein Scherz ist.

Hierbei frage ich mich dann schon, was die „Hetze“ der Datenschützer gegen einen Dienst bringt, wenn man Leute nicht aufklärt, wie man am sparsamsten mit seinen Daten umgeht.

Ich in den Widersprüchen findet ich ungefähr 6 – 8 Adressen. Diese wurden auf einer Webseite angereicht, die

  1. klar stellt, dass sie nicht Google gehört
  2. schon mal gar nicht nach Google ausschaut und
  3. deutlich auf die Sache hinweist.

Dies zeigt mal wieder, dass man den Leuten erkläre muss, wie man mit seinen Daten im Internet umgehen muss. Baut man nun eine Webseite „Hier Widersprüche gegen xyz einreichen“ mit Abfrage von Adresse, optional vielleicht noch Bankdaten, hat man wohl recht schnell viele „Widersprüche“ und kann damit nun vieles anstellen.

Also liebe Datenschützer erklärt den Leute mal, dass  Bonuscard zum Sammeln von Käuferverhalten genutzt werden können, dass man nicht im Internet mit vollem Namen in Foren oder Blogs aktiv werden soll. Dies ist wäre wichtiger, als gegen das Speichern von IP-Adressen vorzugehen. Auch muss man den Bürgerinnen und Bürger sagen: Gebt Eure Daten nicht jedem x-beliebigen, seid sparsam damit.

Eine IP ist nur dann ein personenbezogenes Datum, wenn die Uhr des Servers und des Providers zu 100% synchron sind. Schon in der nächsten Sekunde, kann die IP-Adresse einem anderen Anschlussinhaber zugeordnet sein. Auch der Vergleich mit Telefonnummern ist völliger Käse. Diese können zwar personenbezogen sein. Man bekommt den Namen des Anschlussinhabers kinderleicht über die Rückwärtssuche des Telefons raus.

Eine IP-Adresse ist einer Region zugeordnet. Aber selbst innerhalb einer Großstadt heißt dies noch lange nicht, dass die IP-Adresse direkt mit dem Verteilerkasten vor der Haustüre verknüpft ist.

Nehme ich mal meinen IP, die im Moment meinem Anschluss zugeordnet ist, so liefern Webseiten wie ip-adress.com als Ergebnis einen Ort, der rund 350 km von mir entfernt ist. Angenommen eine IP-Adresse kann maximal in einem Umkreis von 400 km zugeordnet werden, ergibt dies eine Fläche von gerundet 2513 km². Nimmt man nun noch die Bevölkerungsdichte von Deutschland (229 Menschen pro Quadratkilometer) dazu, kommt man auf 575.000 Leute, die in diesem Gebiet im Durchschnitt leben.

Hierbei ist es egal, ob der Besucher einer Webseite nun 400 km vom Anschluss weg ist, oder direkt daneben sitzt. Der Webmaster weiß in der Regel nicht wo seine Besucher exakt leben.

Bei einer Telefonnummer ist das Gebiet kleiner. Eine Statistik darüber, wie groß ein Vorwahlbereich geografisch im Schnitt ist, konnte ich nicht finden. Daher habe ich die Größe der Orte mit der zufällig gewählten Vorwahl 063 miteinander addiert, kommt man auf 147 km² bzw. 33640 Einwohner (anhand der Bevölkerungsdichte Deutschland). Insofern ist das mögliche Gebiet einer Telefonnummer wesentlich kleiner. Berücksichtigt man alle Ziffern der Vorwahl, wird das Gebiet genauer.

Dazu kommt auch: Die meisten Deutschen Provider vergeben eine IP-Adresse dynamisch. Nach maximal 24 Stunden hat man eine andere IP. Eine neue Telefonnummer erhält man in der Regel nur bei einem Umzug in einer neuen Wohnung bzw. in einen anderen Vorwahlbereich oder auf Wunsch. Aber alle 24 Stunden holt man sich keine neue Telefonnummer.

Die Emails mit Adressen habe ich inzwischen gelöscht.